Gesundheitspolitik und Systemanalysen

Die Sicherstellung einer nachhaltigen Finanzierung der GKV und SPV ist eine der zentralen gesundheitspolitischen Aufgabestellungen. Dennoch werden in der gesundheitspolitischen Diskussion ökonomische Fragestellungen und die zugrundeliegenden Anreizsysteme oft nur am Rande betrachtet.
Dabei sind Finanzierungs- und Versorgungsstrukturen eng miteinander verknüpft und beeinflussen maßgeblich die Effizienz und Qualität des Gesundheitssystems. Der Forschungsbereich Gesundheitspolitik und Systemanalysen des WIdO untersucht diese Zusammenhänge aus gesundheitsökonomischer Perspektive.
Zentrale gesundheitsökonomische Fragen
Geht es darum zu analysieren, warum bestimmte Versorgungsdefizite auftreten und wie sie gezielt beseitigt werden können, reicht es meist nicht aus, die Beziehungen zwischen den Akteuren im Gesundheitssystem isoliert zu betrachten. Stattdessen müssen grundlegende Aspekte der Organisation der Gesundheitsversorgung und ihrer Finanzierung untersucht werden – sowohl auf gesamtwirtschaftlicher als auch auf einzelwirtschaftlicher Ebene. Die Gesundheitsökonomie liefert hierfür die theoretischen und empirischen Grundlagen. Sie beschäftigt sich mit der effizienten Allokation knapper Ressourcen und der Frage, wie begrenzte Mittel so eingesetzt werden können, dass eine möglichst hohe Versorgungsqualität und Gerechtigkeit erreicht wird.
Der Forschungsbereich Gesundheitspolitik/Systemanalysen befasst sich mit Fragen wie:
- Wie lassen sich Unter-, Über- und Fehlversorgung identifizieren und ökonomisch bewerten?
- Welche Steuerungsmechanismen sind geeignet, um Qualität und Wirtschaftlichkeit in der Versorgung zu sichern?
- Wie wirken sich Vergütungsmodelle und Finanzierungsstrukturen auf das Verhalten von Leistungserbringern und Versicherten aus?
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist das Spannungsverhältnis zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Aus gesundheitsökonomischer Perspektive geht es hier um Fragen der Verteilungsgerechtigkeit, der Risikoselektion und der Auswirkungen auf die Gesamtfinanzierung des Systems. Die parallele Existenz zweier Vollversicherungssysteme ist international nahezu einzigartig und wirft Fragen nach Effizienz, Solidarität und langfristiger Nachhaltigkeit auf.
Als Querschnittsbereich arbeitet der Forschungsbereich Gesundheitspolitik / Systemanalysen eng mit anderen Forschungsbereichen zusammen, um ökonomische Anreizsysteme, Wettbewerbsbedingungen und Steuerungsmechanismen im Gesundheitswesen zu analysieren. Grundlage sind sowohl Routinedaten, amtliche Statistikdaten als auch Befragungsdaten, die eine evidenzbasierte Bewertung von Effizienz, Qualität und Verteilungsgerechtigkeit ermöglichen.
Im Fokus stehen die Versorgungssteuerung sowie das Zusammenspiel von gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Darüber hinaus rücken zunehmend Fragen der Pflegeversorgung und ihrer Finanzierung in den Mittelpunkt – insbesondere vor dem Hintergrund demografischer Entwicklungen und der Notwendigkeit einer integrierten Versorgung.
Die Ergebnisse seiner Analysen und Diskussionsbeiträge veröffentlicht das WIdO unter anderem in den regelmäßig erscheinenden Publikationen G+G Wissenschaft und WIdOmonitor.