Arzneimittelmarkt 2027: Ausgabenbremse ersetzt keine Preisreform

Das WIdO erwartet für 2027 einen Anstieg der Arzneimittel-Nettokosten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) um 2,2 bis 2,8 Prozent. Damit dürfte sich das Ausgabenwachstum unter dem Einfluss des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes (GKV-BStabG) vorübergehend deutlich abschwächen. Insbesondere der zusätzliche Herstellerabschlag soll die Krankenkassen um knapp 2,5 Milliarden Euro entlasten. Wie groß diese Entlastung tatsächlich ausfällt, hängt von den Ausnahmen im Rahmen der Standortklausel und ihrer Finanzierung ab. Unabhängig davon bleiben die strukturellen Ursachen stark steigender Arzneimittelausgaben bestehen. Das WIdO sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf bei der Preisbildung neuer Arzneimittel – auch unter dem wachsenden internationalen Druck durch die US-Arzneimittelpolitik.

Eine aktuelle WIdO-Analyse zum Arzneimittelmarkt 2025 zeigt, dass sich der Trend fortsetzt, dass neuere und häufig kostenintensivere Arzneimitteltherapien etablierte Behandlungen ersetzen oder ergänzen. Die Versorgung wird dadurch teurer, auch wenn ihr Mengenvolumen nur moderat wächst. Besonders deutlich zeigt sich dies im Patentmarkt. Kurzfristige Eingriffe bei den Arzneimittelpreisen reichen darum allein nicht aus. Im Jahr 2025 erreichten die Nettokosten der ambulanten Arzneimittelversorgung mit 62,6 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Gegenüber 2024 entspricht dies einem Plus von 5,6 Prozent. Die Zahl der verordneten Tagesdosen erhöhte sich dagegen lediglich um rund ein Prozent auf 50,3 Milliarden. Die Zahl der Verordnungen ging leicht zurück. Patentgeschützte Arzneimittel verursachten 2025 Nettokosten von 34,4 Milliarden Euro – rund 55 Prozent der gesamten Nettokosten. Ihr Anteil an den verordneten Tagesdosen lag hingegen nur bei gut sieben Prozent. Allein gegenüber 2024 stiegen die Nettokosten dieses Marktsegments um 7,6 Prozent.

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