Große Qualitätsunterschiede zwischen Kliniken bei Implantation künstlicher Schultergelenke
Komplikationsraten laut Routinedaten-Auswertung im Fünftel der schlechtesten Kliniken vier Mal höher als bei „Top-Kliniken“
Bei der Implantation von künstlichen Schultergelenken wegen Gelenkverschleiß gibt es große Qualitätsunterschiede zwischen den Kliniken, die an der Versorgung beteiligt sind. Das zeigen Ergebnisse aus der Auswertung von knapp 13.000 Operationen bei AOK-Versicherten, die das WIdO im Rahmen des Verfahrens zur „Qualitätssicherung mit Routinedaten“ (QSR) analysiert hat. Demnach lag die risikoadjustierte Komplikationsrate im Fünftel der am besten abschneidenden Kliniken bei 3,6 Prozent, während sie im Fünftel der am schlechtesten bewerteten Kliniken mit 14,5 Prozent vier Mal so hoch war. Seit heute sind die erstmals veröffentlichten Ergebnisse für die einzelnen Krankenhäuser im Gesundheitsnavigator der AOK abrufbar.
Die durchschnittliche Gesamt-Komplikationsrate über alle Kliniken lag bei 8,6 Prozent. Ausgewertet wurden dafür ungeplante Folge-Operationen innerhalb eines Jahres, die bei 4,5 Prozent der operierten Patientinnen und Patienten vorkamen. Sie werden beispielsweise erforderlich, wenn sich nach dem Eingriff das Operationsgebiet entzündet oder die Prothese lockert. Chirurgische Komplikationen wie Infektionen der Prothese, Verletzungen von Blutgefäßen, Knochenbrüche oder das Ausrenken des künstlichen Gelenks kamen bei 7,1 Prozent der ausgewerteten Fälle vor. In die Auswertung konnten insgesamt 12.844 Fälle von AOK-Versicherten einbezogen werden, die in den Jahren 2020 bis 2024 an insgesamt 178 Klinikstandorten operiert worden sind.
Bei 10 Prozent der Fälle wären Komplikationen vermeidbar gewesen
Eine zusätzliche Modellrechnung des WIdO zu den Schulter-OPs zeigt: Wenn alle rund 3.200 Fälle, die in den unterdurchschnittlich bewerteten Krankenhäusern operiert wurden, in überdurchschnittlich abschneidenden Kliniken behandelt worden wären, hätten rund 320 Komplikationsfälle vermieden werden können.
Die Abnutzung des Schultergelenks führt bei vielen Menschen mit zunehmendem Alter zu schmerzhaften Beschwerden, die oft nur durch die Implantation eines künstlichen Schultergelenks verringert werden können. Bei diesem Eingriff wird das verschlissene Gelenk durch ein künstliches Gelenk ersetzt. Diese Operation wurde in Deutschland im vergangenen Jahr etwa 37.000 Mal durchgeführt – und kommt damit deutlich seltener vor als beispielsweise die Implantation eines künstlichen Hüftgelenkes (2025 rund 290.000 Mal durchgeführt). In den letzten Jahren sind aber deutlich wachsende Fallzahlen festzustellen.
Qualitätsinformationen inzwischen zu 14 Behandlungen
Die erstmals veröffentlichten Ergebnisse zu den Schultergelenk-Implantationen ergänzen das bisherige Angebot von Qualitätsinformationen der AOK zu weiteren 13 Behandlungen. Dies sind Operationen bei gutartiger Prostatavergrößerung sowie zur vollständigen Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs, Hüftgelenks-Implantationen aufgrund von Arthrose, Operationen nach einem hüftgelenksnahen Oberschenkelbruch, Hüftprothesenwechsel, Implantationen eines künstlichen Kniegelenkes, Knieprothesenwechsel, Gallenblasenentfernungen bei Gallensteinen, Blinddarmentfernungen, Mandeloperationen, Leistenbruch-OPs, therapeutische Herzkatheter (PCI) bei Patienten ohne Herzinfarkt sowie kathetergestützte Aortenklappen-Implantationen (TAVI). Das Verfahren zur „Qualitätssicherung mit Routinedaten“ wird in Expertenpanels mit klinisch tätigen Fachärztinnen und Fachärzten ständig weiterentwickelt. Für einen fairen Klinikvergleich werden im Rahmen einer Risikoadjustierung auch unterschiedliche Patienteneigenschaften wie Alter, Geschlecht oder Vorerkrankungen berücksichtigt. Die Ergebnisse der einzelnen Krankenhäuser werden im AOK-Gesundheitsnavigator angezeigt, wenn Nutzerinnen und Nutzer dort nach Informationen zu einer dieser Behandlungen suchen.
Zur Krankenhaussuche im Gesundheitsnavigator der AOK
Informationen zum QSR-Verfahren: www.qualitaetssicherung-mit-routinedaten.de
